Historische Daten

Die Angaben und Daten stammen aus Veröffentlichungen von Herrn Dr. Christian Wiltsch, die wir hier mit dessen freundlicher Genehmigung wiedergeben:

(Natürlich gab es auch schon vor 50 v.Chr. Neukirchener, aber da die weder lesen noch schreiben konnten, uns also außer „Gravette-Messern“ und sprachlichen Resten (Kelten) nichts weiter zum Ort und seinen Bewohnern hinterließen, wurden die Jüngere Altsteinzeit, die Mittelsteinzeit, die Jungsteinzeit und die Keltische Zeit an dieser Stelle ausgespart. Sollten wir damit Familienstammbäume aus dem Ort „abkürzen“ bitten wir um Entschuldigung = Anm. des Vereins).

50 v.Chr. – 450 n.Chr. / Römerherrschaft: Archäologische Siedlungsfunde nahezu in jedem  Ort, einige Straßen und Wege, z.B. Kasterstraße von Hoisten nach Allrath, Bendstraße von Hombroich nach Gohr (heute: Unterdorf-Brunnenstraße) und andere.

496 / Drei (?) Schlachten bei Zülpich: Beginn der Christianisierung des Rheinlandes.

30.06.793 / Ludger, Missionar für Westfalen (später kath. Heiliger), auf Durchreise von Widdeshoven nach Rüblinghoven bei Speck. Beginn von umfängliochem Gütererwerb bei Gruissem, Wehl und Münchrath für sein Mönchskloster Werden.

2.5.801 – 816 / Erste Erwähnung von Wehl und einem dortigen Rott. Erwähnung von Acker und Wald, offenbar zwecks Ortsgründung Münchraths. Östlich des Waldes (bei Neukirchen) liegt Ackerland.

1066 / 1081 / Adalwig von Werden schenkt seine Einkünfte zu Wehl von drei Mühlen sowie aus Tüblinghoven, Speck, Neukirchen, Münchrath, Lübinghoven (Lübisrath), Gruissem und drei weiteren Dörfern seinen Klosterbrüdern. Dadurch ist indirekt die Pfarrkirche genannt. Zur Pfarrei gehörten ( in Klammern Ersterwähnungen ): Neukirchen  (v. 1081), Hülchrath  (1206), halb Speck  (v. 1081), Wehl  (801), Münchrath  (816?, v. 1081) und später auch Mühlrath  (11.10.1341 als Ulenrath), Gänserath (v. 1141? 1232), Gubisrath (24.4.1285), Lübisrath (v. 1081? 1310), Norbisrath (13.5.1280), Ohmen (4.4.1307), Yffe(1173), Haus Horr (1150), Blumenberg  (16.8.1312), Rott (801?) sowie Neukircher und Hülchrather Heide, Hülchrather Broich (je um 1620). Vor 1300 wahrscheinlich noch Ramrath rechts des Baches und Gohr. Später dazu: Neuhaus (ca. 1710), Jägerhof (ca. 1810), Lohhof (ca. 1827), Pfannenschuppen (ca. 1835) und Bilderstöckchen (ca. 1925).

1206 / Im Kampf um die deutsche Königskrone verschont Philipp von Schwaben Schloss Hülchrath. Aus dieser Zeit stammen die ältesten erhaltenen Teile der Kirche von Neukirchen, deren Vorgängerbau wohl nicht verschont wurde.

1217 / In Hülchrath residiert bereits ein „Amtmann“, der die „Grafschaft Hülchrath“ zwischen Ahrweiler und Linne, dem Rhein und Niers verwaltet.

1274 / Erschlossenes Datum für Verzeichnis „Liber valoris“ der Kathedralsteuern im Erzbistum Köln. In Neukirchen der Vertreter des Pfarrers „vicarius“, hat die Stelle gepachtet (typische Erscheinungsform des Pfründewesens), Neukirchener Steuersätze wie bei sehr alten Gemeinden recht hoch.

ca. 1290 / Hülchrath wird zur Stadt ausgebaut. Einrichtung einer Bürgerwehr unter Einbeziehung außenwohnender Bauern. Wurzel des heutigen Schützenwesens.

ca. 1308 / Ältestes Original des Liber valoris, Gohr nun Pfarre: vermutlich 1304/1308. Grenze zwischen Gohr und Neukirchen teilt Haus Horr, einen Galgen, die Heide und deren Wassertränke und den Hof Fürth bei Leusch. Neuer Galgen steht beim Pfannenschuppen, wo auch ein Leprosenhaus entsteht.

1314 – 1321/23 / Ankauf der Grafschaft Hülchrath durch den Erzbischof von Köln, Neukirchen nun bis 1794 „kurkölnisch“.

21.9.1348 / Gesicherte Ersterwähnung eines Außenbürgers in Hülchrath (Gobel von Yffe). Gilt als Gründungsjahr der Schützenbruderschaft. Vorläufer des BSV Neukirchen.

1429 / Glockenguß in Neukirchen: Jakobus-Glocke (im 1. Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen) und Marien-Glocke (noch vorhanden).

1474 – 1475 / Belagerung von Neuss durch Karl von Burgund. Mehrfach Kampfhandlungen in der Gemeinde Neukirchen.

21.4.1504 / Ein Mathias ist Pastor (Vikar) in Neukirchen.

26.2.1505 / Heinrich Kremer ist „Barde“ in Hülchrath. Vorläufer der späteren Amtsärzte.

22.7.1569 / Peter Krüchten, Pastor (Vikar) von Neukirchen hat Frau und zwei Kinder, lebt von schwarzer Magie. Soll Stelle räumen für offiziellen Pfarrer N. Ortembach, Sohn des Zonser Zöllners. Es gibt keine Schule. Mehrere Personen leben reformiert.

20.2. – 15.3.1583 / Kampf um Hülchrath im „Truchseß’schen Krieg“ mit schweren Zerstörungen. Um diese Zeit Untergang des Hofes Yffe. Seither Streit (bis 1770) um die Gebühren für den Neukircher Küster, die Yffe zu zahlen hatte.

20.5.1608 / Hülchrath erhält Stadtprivileg mit 21 Punkten, u.a. Verlegung des Gerichtsortes von Neukirchen (urspr. auf der Heide bei Hs. Horr) nach Hülchrath.

1610 / Zahlreiche militärische Überfälle auf die Gemeinde: Jülicher überfallen Norbisrath. Herr von Dohna „übt“ mit ca. 50 Söldnern „Dorf überfallen“ in Neukirchen. Soldaten und Schützenbrüder aus Hülchrath und Neukirchen wehren sich: 5 Tote, davon 4 Soldaten aus Hülchrath. Fürst von Anhalt überfällt Neukirchen. Plündert und zerstört alles, zwingt Pastor vom Kirchturm zu springen. Anordnung an Schützenbrüder, wie im Vorjahr den Stüttger Busch von Räuberbanden zu säubern. Überfall und Plünderung durch Besatzung von Oberaußem. Dann Anweisung, dass die Schützen soldatische Kampfhandlungen üben sollen.

August 1616 / Anlage von Tauf-, Trau- und Sterberegister in Neukirchen (weitgehend erhalten).

1629 – 1631 / Letzte Hexenverfolgung in Hülchrath (Anno 1590: 3 Fälle, 1595: 7 Fälle). Vornehmlich Frauen aus Neukirchen und Hülchrath, aber auch aus Münchrath und Wevelinghoven werden auf den Specker Stöcken verbrannt, 14 Fälle.

1634 – 1637 / Pest in Hülchrath und Neukirchen, danach tödliche Rote Ruhr (22 Tote), erneut Pest in Münchrath und Hülchrath (46 Tote), dann eine neue Welle mit 24 Opfern, Januar 1637 Seuche in Hülchrath.

1637 / Hermann und Martin auf’m Ulenrath (Mühlrath) zahlen den Sackzeht an den Pastor in Neukirchen nicht. Der Konflikt weitet sich auf ganz Mühlrath und Münchrath aus und dauert über 150 Jahre.

1639 / Erwähnung eines Marienaltars und einer Marienbruderschaft in Neukirchen.

1642 – 1644 / Von Januar bis nach Pfingssten hausen Hessen (2.000 Soldateen) in Hülchrath. Rauben und plündern alles, was zu finden ist. Äcker können nicht bestellt werden. Bevölkerung flieht, zum Teil kommt sie um.

22.9.1647 / Gründung Bruderschaft „Jesus-Maria-Josef“ (für Manner und Frauen, 1699 neu).

1662 / Erster Kaplan in Hülchrath: Hermann Andreä (1667-97 Pfarrer in Neukirchen).

Herbst 1665 / Die Pest in der Pfarre, 8 Tote namentlich benannt.

1670 / Die Pfarre Neukirchen hat ca. 150 Häuser.

1672 – 1677 / Mehrere Epedemien suchen Pfarre heim. Im August 1677 entsteht dadurch die Wallfahrt „Bergheimer Fest“, zunächst zum Kloster Bethlehem bei Bergheim, seit 1802 nach Bergheim selbst. Ursprünglicher Tag: Maria Himmelfahrt (15.8.).

1687 / Hülchrath wird erobert, anschließend (1688-89) die Befestigungen zerstört.

Ostern 1701 / Die Pfarre Neukirchen hat 687 (erwachsene) Katholiken.

22.9.1711 / Neubau Leprosenhaus. Muss 1712 wie alle Leprosenhäuser abgebrochen werden, weil sich dort Räuber aufhalten, u.a. Mathias Garding (ließ 1697 in Neukirchen eine Tochter taufen, 1711 in Düsseldorf als Mörder gehängt).

23.6.1720 / Stiftung der Vikarie Jesus-Maria-Josef. Jedoch langer Gerichtsstreit mit den Erben des Stifters, führt auf Dauer zur Stelle eines Kaplans (bis 1959).

1721 / Erstmals Ausgaben für Chorknaben zu speziellen Anlässen erwähnt.

31.12.1729 / Papst Benedikt XIII verleiht der Kirche von Neukirchen einen vollkommenen Ablass für das Fest des hl. Jokobus (25.7.).

17.5.1730 / Stiftung einer Lehrerstelle in Neukirchen durch die Dorfbewohner (12 Morgen Ackerland in der Neukircher Heide), Selbstverpflichtung zum Schulbau.

1.6.1733 / Erste Erwähnung eines Organisten in der Kirche in Neukirchen.

6.6.1737 / Der Neukirchener Pastor weeiht die endlich errichtete Kapelle in Hülchrath auf die hl. Selbastian und Johann Nepomuk.

5.11.1740 / Der Schützenführer und die 7 Schützen der Bruderschaft Hülchrath-Neukirchen, die den Marktfrieden von St. Leonhard sichern, werden erstmals mit Geld statt Mahlzeit bezahlt.

1740 / Bau eines einstöckigen Vikarie- und Schulhauses neben der Kirche.

2.8.1753 / J.J. Kovenbach, Amtsverwalter von Hülchrath, bescheinigt, dass der Schützenkönig für ein Jahr frei von öffentlichen Diensten ist.

1773 / Die Pfarre Neukirchen zählt ca. 1020 Katholiken.

5.10.1794 / Französiche Truppen besetzen Hülchrath, 1795/1802 völlige Annektion.

1805 / Gründung der Matthiasbruderschaft.

16.04.1814 / Vertreibung der Franzosen. 40 Kosaken werden in Hülchrath einquartiert.

1815 / Neukirchen wird preußisch in der Bürgermeisterei Hülchrath.

1816 / Bürgermeister von Pröpper verbietet Schütenmusik, verliert jedoch Prozeß.

1828 / Neubau eines Schulgebäudes (heute Volksbank)

1831 / Einstellung Glockenläuten wegen Einsturzgefahr des Turms (Neubau erst 1844).

1841 / „Schützengesellschaft am Neuhaus“, möglicherweise Vorläufer des BSV.

1842 / Bau des Spritzenhauses für die Feuerspritze am Jakobusplatz.

1847 / Erste Teilung der Neukircher Heide auf Zeit.

1849 / Die Straße Neuss – Bergheim wird gebaut (heute B 477).

1858 / Gründung Kirchenchor, der 1868 dem Cäcilienverband (1868 gegr.) beitritt.

1860 / Gründung Bürgerschützenverein Neukirchen (BSV) als „Schützengesellschaft“.

1867 / Die Gemeinde Neukirchen hat 1577 Einwohner.

17.7.1876 / 2. Lehrerstelle in Neukirchen mit Frau Eva Mafa besetzt (1. Lehrerin der Schule).

1884 / Errichtung einer Villa an der Roseller Straße, die 1909 Rathaus wird.

14.11.1892 / Gründung der Raiffeisenkasse (nach Rosellen, das wenige Wochen alter ist, die älteste Raiffeisenkasse im Raum Düsseldorf – Neuss).

1.4.1902 / Neukirchen erhält Postagentur, ein Fernsprecher besteht schon seit Jahren.

27.2.1904 / Hülchrath wird zur Pfarre erhoben. Dazu zählen Münchrath, Mühlrath, Jägerhof und Norbisrath.

1914 / Gründung FC Hülchrath, älteste Wurzel der SG Neukirchen-Hülchrath.

1920 / Gründung Quartettverein „Rheingold“ in Neukirchen.

1921 / Gründung Tambourcorps, aber 1. Auftritt schon 1920 beim St. Martinszug.

1924 / Anschluss an Postbuslinie Grevenbroich – Neuss. Bau des Bahndamms, wegen Inflation Ende November 1924 wieder eingestellt.

1927 / Gründung DJK Neukirchen, die in ca. 1939 in SG Neukirchen umgebildet wird.

1.8.1929 / Aus Amt Hülchrath wird Gemeinde Neukirchen unter Verlust von Weckhoven.

1932 / Versuch der Gründung einer freiwilligen Feuerwehr scheitert.

1939 – 1945 / Im 2. Weltkrieg war bei Norbisrath eine Scheinwerferstellung, beim Pfannenschuppen eine Flakstellung. 26.5.1943 wurde das Dorf schwer bombardiert.

1946 / Beginn der Zuweisung von Ostdeutschen, Flüchtlingen, Einquartierung in Privathäuser.

1953 / Erste Neubautätigkeit zur Lösung des Wohnraumproblems, es entsteht die Siedlung an der Ramrather Straße, weitere folgen bis 1972.

1964 / Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Neukirchen.

1968 / Schulreform. Bildung der Grundschule Neukirchen und einer Hauptschule, die vom Schulamt nicht gewünscht ist. Daher nach 4 Jahren Auflösung der Hauptschule.

1.1.1971 / Neukirchen (ohne Wehl und Hülchrath) hat 1890 Einwohner.

31.12.1974 / Auflösung der Gemeinde Neukirchen. Hoisten und Wehl nach Neuss, Neukirchen und Hülchrath nach Grevenbroich.

Hier endet die tolle Zusammenstellung „Neukirchen – Eine kleine Chronik“ von Dr. Chr. Wiltsch und wir befinden uns in der jüngeren Vergangenheit und der aktuellen Gegenwart des Ortes, worüber separat an anderer Stelle zu berichten ist. Herr Dr. Chr. Wiltsch ist Gründungsmilglied von Unser Neukirchen e.V., bei dem wir uns für dieses bemerkenswerte Zeitfenster über die Jahrhunderte, fokussiert auf unseren Ort, bedanken.

09.10.2018 hja